Press release to ebola-crisis in the West African countries (in German)

Wien, 9.11.2014

Wir, die Mitglieder der Plattform Österreich-Sierra Leone (Platform Austria – Sierra Leone, PATSL), sind besorgt über die Auswirkungen der Ebola-Krise in den westafrikanischen  Sierra Leone, Guinea und Liberia. Neben der bekannten hohen Fatalität der Krankheit wollen wir auch auf massive soziale und ökonomische Auswirkungen von Ebola aufmerksam machen.

Seit mehreren Monaten erhält der aktuelle Ausbruch von Ebola in Sierra Leone, Guinea und Liberia weltweite Aufmerksamkeit. Nur langsam wird jedoch die globale Dimension dieser Krise erkannt. Durch die hohe Mobilität unserer Gesellschaft, insbesondere auch der Bevölkerung in West-Afrika, breitet sich Ebola derzeit rascher aus als dies bei früheren Ausbrüchen des Virus in anderen Teilen Afrikas der Fall war. Auch wenn die Gefahr derzeit gering erscheint, dass sich Ebola in andere Teile der Welt ausbreitet, gebietet uns die Menschlichkeit die betroffenen Länder nicht ihrem Schicksal zu überlassen.

Durch unseren direkten und persönlichen Kontakt zu Sierra Leone wissen wir, dass Ebola eine massive Einschränkung des täglichen Lebens darstellt.
Die Angst vor Ebola bewirkt einen massiven Anstieg an Spitalsbesuchen, welche das Gesundheitssystem Sierra Leones vor enorme Herausforderungen stellt. War die medizinische Grundversorgung schon bisher in einem kritischen Zustand, so führt die Überlastung nun dazu, dass bisher heilbare Krankheiten wie Malaria, Typhus etc. aber auch Unfallopfer oder Schwangerschaften nicht oder nur unzureichend behandelt werden und oftmals zum Tode führen.
Gleichzeitig bringt die zunehmende Stigmatisierung von Ebola-Patienten mit sich, dass viele Menschen mit gesundheitlichen Problemen keine Gesundheitsdienstleister mehr aufsuchen, da sie befürchten mit Ebola in Verbindung gebracht zu werden.

Stark betroffen ist auch das Bildungswesen. Aus Angst vor einer Ansteckung sind Schulen geschlossen und Kinder müssen zuhause bleiben. In Sierra Leone wird bereits davon gesprochen, dass diese Situation noch bis zu einem Jahr anhalten könnte – in Österreich stellt ein eintägiger Schulstreik Familien mit Kindern schon vor große Herausforderungen.

Auch die Arbeitswelt hat mit Auswirkungen zu kämpfen. Öffentliche Ämter sind nur teilbesetzt oder ganz geschlossen. Öffentliche Ansammlungen sind verboten und die öffentlichen Transportmittel sind de Fakto nicht benutzbar. In Wien sorgt der sanierungsbedingte Ausfall einer einzigen U-Bahnstation schon für Wirbel, was für ein Chaos würde herrschen, wenn der Betrieb ganz eingestellt werden müsste? Auch der Warenverkehr ist stark behindert was zu Lebensmittelknappheit und einem steigenden Preisniveau – speziell in großen Städten wie Freetown, Bo oder Kenema – führt. In Kombination mit Gehaltsausfällen stehen ganze Familien vor dem unlösbaren Problem ihre Grundversorgung sicher zu stellen.

PATSL dankt daher allen bereits am Kampf gegen Ebola beteiligten Organisationen für ihren Einsatz und rufen dazu auf, diese Bemühungen zu verstärken. Ebola muss kein Todesurteil sein! Dafür  bedarf es allerdings intensiver internationaler Bemühungen, um das Ausmaß der weiteren Ausbreitung zu minimieren. Nachhaltige, für mögliche Ausbrüche in der Zukunft geeignete Maßnahmen müssen etabliert werden. Zudem muss sich die internationale Gemeinschaft bewusst sein, dass die betroffenen Länder auch in den kommenden Jahren intensive Unterstützung benötigen werden, um sich von dieser Krise zu erholen. Hierfür sollten bereits heute entsprechende Förderprogramme eingerichtet und ausreichend finanziert werden.

PATSL wird mit Hilfe ihrer direkten Information aus zu Sierra Leone die ösetrreichische Öffentlichkeit sensibilisieren sowie versuchen, durch Herantreten an öffentliche Entscheidungsträger in Österreich die Bewältigung der aktuellen Ebola-Krise zu unterstützen.

Ebola interactive map

Source: WHO, 26. Nov 2014